"Schuld sind immer die Geflüchteten"
Anna-Katharina Sonnemann • 12. Februar 2026
siehe dazu auch den ausführlicheren Artikel auf der Webseite von Norbert Leistner: https://norbert-leister.de/2026/02/06/schuld-sind-immer-die-gefluechteten-rechtsextreme-veraendern-die-gesellschaftliche-wahrnehmung/
Joachim Glaubitz vom Caritasver-band der Diözese Rottenburg-Stuttgart diskutierte am Donners-tagabend in der Reutlinger VHS mit rund 40 Interessierten über die Frage, wie der Rechtsextremismus die Gesellschaft verändert
„Messerattacken, Kommunen am Limit – wir kennen die Schlagzeilen“, betonte Asylpfarrerin Lena Möller am Donnerstagabend in der Reutlinger VHS bei einer Gemeinschaftsveranstaltung von AK Flucht und Asyl, Bündnis für Menschenrechte, VHS und Caritas. Mit den Schlagzeilen werde laut Möller der Blick stets nega-tiv auf Geflüchtete gerichtet, das lenke ab „und erspart komplizierte Antworten“.
Doch an diesem Abend in der VHS wollten die Interessierten zusammen mit Joachim Glaubitz als Rechtsext-remismus-Experte beim Caritasverband der Diözese Rottenburg-Stuttgart „genauer hinschauen“. In all den Diskussionen um „Migration“ gehe es stets „um zu viele Flüchtlinge“, um das Boot, das vermeintlich voll sein soll. Die Menschen, die aus vielerlei Gründen aus ihrer Heimat fliehen, werden zu Sündenböcken abgestem-pelt.
2026 stehen schon wieder Wahlen an, in insgesamt fünf Bundesländern. Der Ton wird erneut sehr rau von Asyl-suchenden und Migration ist allerdings im Wahlkampf (zumindest bei den demokratischen Parteien) keine Spur mehr. Gleichzeitig werden die Maßnahmen zur Abschiebung von Geflüchteten und zur Abschottung Europas immer drastischer. Der „Kulturkampf“ ist in vollem Gang, wie Joachim Glaubitz betonte. Und „die Grenze des Sagbaren wird radikal nach rechts verschoben“.
Der Begriff der „Remigration“ sei kein Ausrutscher, kein Versehen, sondern diene dazu, die „Migration“ immer mehr als Problem zu definieren. „Man könnte das Jahr 2015 ja auch als Krönung der Mitmenschlichkeit betrachten“, so Glaubitz Doch die Realität heute sehe anders aus.
Die Erkenntnis sei wichtig, dass es sich bei der „Remigration“ nicht um freiwillige Rückkehr ins Heimatland handle, sondern um „gewaltvolle Deportation“, betonte Joachim Glaubitz. Der Blick in die USA mit den ICE-Söldnern in Minneapolis zeige, wie so was aussehen kann. „Die Schlinge darf bei uns nicht noch enger werden“, so der Referent. Dennoch rede In-nenminister Dobrindt schon über „Return Hubs“ – „das sind Abschiebela-ger“, so Glaubitz.
Warnend mahnte der Experte: „Faschismus kommt nicht über Nacht, er schleicht sich bei blauem Himmel und Sonnenschein an.“ Klar zu erkennen sei das jetzt im „Super Wahljahr“. Die Sündenböcke sind zurzeit nicht die Geflüchteten, sondern die Arbeitslosen, die Bürgergeldempfänger, die endlich wieder raus aus der sozialen Hängematte sollen. Und alle anderen raus aus der „Lifestyle-Teilzeit“.
Ärmel hochkrempeln, lautet die Devise. Und die „Stadtbild“-Diskussion? „Die rechte Szene hat die Äußerungen von Kanzler Merz gefeiert“, sagte Joachim Glaubitz. „CDU und CSU wirken mit an der Normalisierung des Sagbaren, das immer weiter nach rechts verschoben wird.“ Gestärkt werde damit aber nur der rechte Rand.
Dieser Rechtsruck sei nicht allein in Deutschland zu spüren, ebenso in den USA und in weiten Teilen Europas. Weltweit würden die Rechtsextremen nach dem Motto vorgehen „flood the zone with shit“ also „flutet die Öffentlichkeit mit Müll“, so dass „das Gehirn kurz vor dem Kollaps ist“. In Deutschland richte sich dieser ganze Mist zurzeit „gegen alle Menschen, die nicht produktiv sind“.
Doch was tun gegen die Reizüberflutung? Glaubitz Rat: Öfter mal abschalten, nicht bei jedem Stichwort wie „Jobverweigerer, Telefonkrankschreibungen, Bürgergeld-Streichung, Zahnarztbesuche selbst zahlen“ gleich an die Decke gehen. „Das sind Testballons.“
Schuld an den Miseren in der Gesell-schaft seien nicht die Geflüchteten und auch nicht die Bürgergeldempfän-ger: „Es geht darum, weiter nach un-ten zu treten und die Solidarität in der Gesellschaft aufzukündigen.“
Was tun? „Wir brauchen emotionale positive Geschichten, wie die Zukunft aussehen kann, wir müssen andere Werte setzen, als die, mit denen wir täglich konfrontiert werden“, so Glaubitz. Außerdem sei „Humor wirklich wichtig bei allem Chaos“. Man solle sich Gleichgesinnte suchen, auf Empathie, Respekt und Solidarität setzen.
„Es ist wichtig, für Schwächere die Stimme zu erheben“, sagte der Refe-rent. „Wir dürfen nicht vergessen, dass die Mehrheit in der Gesellschaft gegen Rechtsextremismus ist.“ Die ukrainisch-deutsche Politikerin Marina Weisband habe mal gesagt, „selbst wenn morgen meine Welt zusammenbricht und ich alles verliere, wird es doch auch ein Übermorgen geben“. Es gelte, heute die Saat für eine bessere, gewaltfreie Welt im Übermorgen auszusäen.

Wie bereits in den vergangenen Jahren haben wir auch dieses Jahr im Januar in meinen verschiedenen Deutschkursen gemeinsam gemutschelt. Dabei ist es mir ein besonderes Anliegen, neben Grammatik und Wortschatz auch Traditionen sowie kulturelles Wissen zu vermitteln. So fand am Dienstag, den 13. Januar, das Mutscheln in der Erwin-Seiz-Straße statt. Zehn Schülerinnen und Schüler aus Kamerun, Togo, Afghanistan, der Ukraine und Guinea nahmen daran teil. Zu Beginn erzählte ich die Geschichte der Mutschel: ihr Alter, ihre Bedeutung und die Symbolik ihrer Form. Die Erhebung steht für den Reutlinger Hausberg Achalm, der Kranz symbolisiert die ehemalige Stadtmauer und die acht Zacken repräsentieren die Handwerkszünfte. Außerdem gab ich einen Überblick über die Geschichte Reutlingens – von der Entstehung über die Stadtgründung und Industrialisierung bis hin zum Zweiten Weltkrieg und der Entwicklung zur neuntgrößten Stadt Baden-Württembergs. Auch die verschiedenen Stadtteile kamen zur Sprache. Im Anschluss begannen wir mit den traditionellen Spielen. Zunächst spielten wir die große und die kleine Hausnummer, bei denen die Schülerinnen und Schüler ihre Zahlenkenntnisse festigen konnten. Danach folgte das Spiel „21“, bei dem sie auf Deutsch rechnen mussten, und zum Abschluss spielten wir das „Nacket’s Luisle“. Alle hatten großen Spaß, und das gemeinsame Lachen war für die oft traumatisierten Geflüchteten eine wohltuende und heilsame Erfahrung. Am Mittwoch, den 14. Januar, wurde auch im Deutschkurs in der Allensteiner Straße gemutschelt. Dort nahmen erneut Lernende aus Afghanistan, Togo, Kamerun, der Ukraine und Syrien teil. Viele äußerten den Wunsch, diese Spiele künftig auch mit ihren Freunden auszuprobieren. Ein weiterer kleiner, aber wichtiger Schritt auf dem Weg zu einer gelungenen Integration. Viele Grüße Ingrid

Am Nachmittag des 23.12.2024 haben Mitglieder des Netzwerks Vielfalt Oferdingen einen kleinen Weihnachtstreff in der Unterkunft organisiert. Bei Kinderpunsch, Plätzchen und Gebäck tauschten wir uns zu den verschiedenen Festen aus, die im Dezember in Afghanistan und Deutschland gefeiert werden. Auch die Besonderheiten der deutschen Weihnachtsmärkte waren Thema ebenso wie die typischen Speisen und Getränke, wie zum Beispiel der "warme Wein", der dort ausgeschenkt wird.

Am Donnerstag, 13.02.2025, fand das erste Begegnungscafé des Jahres in Oferdingen statt. Insgesamt zehn Personen tauschten sich bei Tee und Kuchen munter auf Deutsch, Englisch, Französisch und Dari aus. Die Themen reichten vom Busstreik über den Schneefall bis hin zur Wohnungssuche. Zudem konnten gemeinsam verschiedene technische Probleme gelöst und Fragen zu Formularen beantwortet werden. Das Begegnungscafé soll nun wieder monatlich stattfinden.
„Wir stellen unseren Antrag, egal, wer zustimmt“ Mit diesem Satz ist die Brandmauer gefallen!! Wir sind erschüttert über die jüngsten Morde an unschuldigen Menschen in Aschaffenburg, Magdeburg und Solingen. Wir verurteilen die Gewalt aufs schärfste und wünschen uns von der Polizei, den Ermittlungsbehörden und den politisch Verantwortlichen umfassende Analysen der Ursachen dieser Gewaltakte und dann dazu passende Maßnahmen, um für die Zukunft Bedrohungen dieser Art besser begegnen zu können. aber: Es gab keinen Grund, für überstürzte und nicht durchdachte Anträge und Gesetzes-Initiativen so kurz vor der Wahl!! Soweit bisher bekannt, ist der Täter von Aschaffenburg ein psychisch kranker Mensch, der nicht ausreichend medizinisch versorgt war. Die Diskussion könnte sich also durchaus darum drehen, wie wir mit gewaltbereiten psychisch kranken Menschen umgehen, wie wir deren Freiheitsrechte gegen den Schutz anderer vor Gewalt abwägen. Es könnte um verbesserte medizinische Versorgung psychisch kranker Menschen gehen, um ausreichende Aufnahmekapazitäten für stationäre Behandlung, vielleicht auch darum, Gefahrenpotentiale rechtzeitig zu erkennen und verbesserte Prävention. All dies sollten wir in Ruhe bedenken und entscheiden. Der Täter war aber auch afghanischer Herkunft. Und nun wird statt dessen eine Diskussion entfacht, als sei seine Nationalität die Ursache für seine Tat. Das ist unlogischer Unsinn. Die Vorschläge zur Zurückweisung asylsuchender Menschen an den Grenzen und für dauerhafte Grenzkontrollen gehen an der tatsächlichen Problematik vorbei. Sie hätten keinen der Anschläge verhindern können. Sie bieten nur Scheinlösungen, sind weder verfassungskonform noch überhaupt praktisch umsetzbar. Diese Vorschläge richten aber immensen politischen Schaden an: Sie bestärken pauschale Vorurteile gegen alle geflüchteten Menschen. Sie vertiefen Gräben und schüren Ängste. Die AfD sieht sich in ihrer eigenen migrantenfeindlichen Politik bestätigt und jubelt, Union und FDP quasi auf ihre Linie gebracht zu haben. Wenn demokratische Parteien meinen, sie könnten mit rechtsextremen Kräften partiell gemeinsam agieren, dann ist das brandgefährlich. Jetzt ist die Zeit, dazu deutlich „Nein“ zu sagen. Noch haben wir die Wahl. Migration ist ein komplexes Thema und eine Herausforderung unserer Zeit. Es gab sie schon immer, aber unsere heutige Mobilität und weltumspannende Kommunikation machen sie natürlich leichter. Und unsere weltweit vernetzten Wirtschaftsstrukturen legen nahe, dass nicht nur Waren, Rohstoffe und Geld um die Welt zirkulieren, sondern auch Menschen. Das ist nicht leicht für die Gesellschaften, deren Struktur sich verändert, wenn Gebildete und Arbeitskräfte abwandern oder Hilfe- und Schutzbedürftige zuwandern, Familien weniger tragfähig werden, Sprache und Tradition nicht von allen geteilt werden. Wir brauchen dafür aktive Gestaltung, internationale Kooperation, kluge Gesetze und Regelungen, die Beteiligung von Politik, Verwaltung, Wirtschaft, Kultur, Wissenschaft und Bevölkerung. Was wir nicht brauchen, sind pauschale Abwertung und Ausgrenzung, Verdächtigung und Vorverurteilung, Schutzverweigerung und Mauern oder Stacheldrahtzäune um unser Land. AK Flucht und Asyl Reutlingen, Bündnis für Menschenrechte Reutlingen

Der schwäbische Maori-Tätowierer Volker Kloth erzählt von der Maori Kultur und warum es in seinem Studio keinen Platz für Rassismus gibt. Menschen aus aller Welt lassen sich die Kunst der Maori auf ihrem Körper von Volker Kloth stechen. Er setzt sich für Menschenrechte ein und findet: Rassismus hat bei ihm keinen Platz! Die Veranstaltung findet am 20.03.2025 um 18:00 Uhr im Kunstmuseum Reutlingen ( Spendhausstraße 4, 72764 Reutlingen) statt. Der Eintritt ist kostenfrei. Eine Anmeldung ist nicht notwendig. Sie wollen mehr über Volker Kloth und seine Arbeit erfahren? Hier kommen Sie zu seiner Website: https://www.kaha-atelier.com/
Zum Tag der Menschenrechte zeigte das Bündnis für Menschenrechte Reutlingen am Nachmittag des 10. Dezember auf dem Marktplatz eine Ausstellung zu den Menschenrechten mit Plakaten des Künstlers Jochen Stankowsky, die dieser für die Kampagne des Stuttgarter Bürgerprojekts Anstifter geschaffen hatte. Mitglieder des Bündnis für Menschenrechte verteilten Info-Flyer und standen Passanten für Fragen und Gespräch zur Verfügung. Außerdem warben sie für die für Freitag 17.00 geplante Veranstaltung des Bündnisses zum Thema Fluchtroute Mittelmeer auf dem Marktplatz. Die Veranstaltungsreihe des Bündnis für Menschenrechte ( jeden dritten Freitag, 17.00 auf dem Marktplatz) wird auch im neuen Jahr fortgesetzt. Menschen verschiedener Altersgruppen blieben interessiert stehen. Eine Gruppe junger Syrer gab ihrer großen Hoffnung Ausdruck, dass die Menschenrechte jetzt auch in ihrer Heimat endlich geachtet werden. Verena Nerz
Am 29. November 2024 fand die MIKADO Fachkonferenz in Berlin statt, eine Veranstaltung, die sich mit der Unterstützung von Frauen, insbesondere aus Migrationshintergrund, im Bereich der Digitalisierung beschäftigte. Während der fünfstündigen Konferenz, an der sowohl vor Ort in Berlin als auch online zahlreiche Frauen teilnahmen, wurden die Ziele und Aufgaben von MIKADO ausführlich vorgestellt.



